|
| |
| About Gut Aiderbichl |
| |
| Become Aiderbichler |
| |
| Fotos / Videos |
| |
|
| |
|
| |
|
|
| Mariandl und Nr. 53 Kathi war nur noch eine Nummer, aber auf Gut Aiderbichl gibt es keine Nummen. |
Mariandl und Nr. 53
Wenn der Herbst kommt, dann fallen mir unweigerlich die Rituale von früher ein, z.B. ein Ausritt durch die herrlichen Wälder mit den unzähligen Farben des buntgefärbten Laubes. Seit einigen Jahren aber hat der Herbst für mich noch eine andere, eher traurige Farbe bekommen. Herbst heißt seit drei Jahren auch, Fohlenauktionen zu besuchen. Wie es dort zugeht, ist bekannt. Hunderte von Pferden müssen sich auf ihren letzten Weg machen, eine qualvolle Todesreise in die Schlachthöfe nach Italien. Wir kaufen alljährlich so viele Pferde wie möglich auf, vor allem diejenigen, die zu schwach sind, auch nur den Transport zu überstehen. Und obwohl ich weiß, dass unsere Rettungsaktionen nur symbolisch sein können, bescheren mir die Bilder der zurückgelassenen Pferde schlaflose Nächte. Es geht mir an die Substanz, all die schrecklichen Szenen von Trennung und Leid zu verfolgen, die sich auf solchen Auktionen abspielen und ich greife ein, so weit es mir möglich ist. Als ich auf der letzten Auktion schon zwanzig Pferde verladen hatte, zupfte mich plötzlich ein junges Mädchen aufgeregt am Ärmel. Sie führte mich zu einem kleinen, verängstigten Stutfohlen. Der Händler war gerade damit beschäftigt, das Tier zu markieren. Mit einer Schere schnitt er dem Fohlen ein Zeichen ins Fell, die sein Schicksal besiegeln sollte: Nummer “53“, bereit zum Todestransport. Erst bei einem sehr hohen Kaufpreis wurde ich mit dem Mann handelseinig. Wir konnten das Kleine mit nach Gut Aiderbichl nehmen und tauften es auf den Namen Kathi. Kathi ist ein Sorgenkind. Sie will nicht fressen und ruft ohne Unterlass nach ihrer Mutter. Die Nacht ist mondhell und Kathis wunderschön silbriges Fell leuchtet in der Dunkelheit, aber der Rest von Kathi leuchtet nicht. Sie ist traurig und verzweifelt. Ich kann mich ihr nicht nähern und auch in der darauf folgenden Nacht verweigert das Fohlen das Fressen und jeglichen Kontakt. Kathi hat aufgegeben. Ich mache mich auf die Suche nach Kathis Mutter. Sie heißt Mariandl und lebt in guter Haltung bei einem Züchter. Wir kaufen die Stute, dann machten sich unsere Alena und Anita von Gut Aiderbichl mit ihr auf den Weg auf das Gut. Mariandl steht noch im Hänger, für ihr Fohlen unsichtbar, und trotzdem geschieht etwas Verblüffendes. Obwohl sich keiner von beiden sehen kann, wirft Kathi auf der Koppel den Kopf in den Nacken, trabt los und wiehert aus Leibeskräften. Die Mutterstute, versteckt im Hänger, antwortet mit kräftigen Schlägen und lauten Rufen nach ihrer Tochter. Beide haben sich erkannt, ohne einander gesehen zu haben. Die Aufregung und die Vorfreude steigern sich, und es braucht ein wenig Zeit, bis Mariandl fertig zum Ausladen ist. Wir alle halten den Atem an, zusammen mit über einhundert Besuchern, die diesen einzigartigen Moment miterleben dürfen. Der Hänger bebt vom freudigen Getrampel der Mutterstute. Kathi stürmt sehnsüchtig über die Wiese, hin und her, ihre Mähne flattert im Wind. Endlich ist es so weit. Die beiden stürmen aufeinander zu und freuen sich unbändig. Das Schmusen, das glückliche Tänzeln der beiden nimmt kein Ende, aber für uns ist es ein Happy End. Kathi wirkt, als wäre sie gewachsen, erhobenen Hauptes und mit dem Rückhalt ihrer Mutter hüpft sie über die Koppel, frisst und schnuppert und entdeckt das Leben neu. Wie haben Mutter und Tochter sich gespürt, als sie sich noch nicht sehen konnten? Was ist das für eine Sprache, die Tiere miteinander sprechen, und die wir Menschen oft nicht verstehen wollen? Ein siebter Sinn, der uns Zweibeinern abhanden gekommen ist? Menschenmütter und Menschenkinder reagieren ebenso: Es sind dieselben Hormone, die für eine enge und intensive Bindung zueinander sorgen. Uns verbindet mehr, als wir wahrhaben möchten. Vielleicht lernen wir irgendwann das Hinhören, das Zuhören, das Erspüren von Gefühlen. Bis dahin müssten wir Rücksicht nehmen und Tierkinder nicht kategorisch von ihren Müttern trennen. Sie sollten bleiben dürfen, bis sie groß und stark genug sind, in die Welt hinaus zu gehen. Wenn ich heute in den Herbst hinausgehe, dann weiß ich, dass ich eine neue, wunderschöne Farbe dazu gewonnen habe: Silberfarben, wie das Fell von Kathi. Und noch jemand kann wieder lachen: Alena, die Betreuerin von Kathi. Ein Happy-End für alle!
| |
|