|
| |
| About Gut Aiderbichl |
| |
| Become Aiderbichler |
| |
| Fotos / Videos |
| |
|
| |
|
| |
|
|
| Die Amme von Oberammergau Loris Geschichte |
Erst wenige Tage auf der Welt, und schon zu einer kleinen Berühmtheit geworden: Die Geschichte von Fohlen Lori, das bei seiner Geburt zum Waisenkind wurde, machte nicht nur auf Gut Aiderbichl, sondern auch in der tz München und in der Kronenzeitung von sich reden. Alle hatten Mitleid mit dem mutterlosen Pferdebaby und wollten helfen. Ein Königreich für eine Pferdemutter: Wir waren dringend auf der Suche nach einer Amme, einer Stute, die ihr Fohlen verloren hatte und die Mutterrolle für Lori übernehmen konnte. Die meisten Anrufer wohnten weit weg, und der Tierarzt riet uns von weiten Reisen mit der Kleinen ab. Mutterseelenallein war Lori trotzdem nicht – eine Ersatzmama auf zwei Beinen hatte sich schon gefunden. Seitdem Lori auf der Welt war, wich eine nicht von ihrer Seite: Unsere Pferdespezialistin Anita Körner übernahm die Mutterrolle mit allem, was dazu gehört. Fläschchen geben, Körperkontakt, Schmusestunden – Lori fehlte es an fast nichts. Nur äußerst ungerne verließ Anita den Wachposten bei ihrem Zögling, und so entwickelte sich eine große Nähe zwischen den beiden. Doch Stutenmilch, damit konnte Anita nicht dienen – und auch nicht mit den pferdetypischen Verhaltensweisen, die sich ein Kind gerne von der Mutter abguckt – und so wurde die Suche nach einer Amme mit jedem Tag dringlicher. Der Ernst der Lage veranlaßte Karin Rutenberg, Aiderbichelrin, tz – und Kronenzeitungsleserin, sich hinter das Telefon zu klemmen. Nach endloser Telefonrecherche kam endlich die erlösende Nachricht: Eine Amme ist gefunden! Eine Prachtamme – aus dem Oberammergau: Hilde, vier Jahre alt, hatte erst vor wenigen Stunden ihr eigenes Fohlen verloren, es wäre ihr erstes gewesen. Aufgewachsen ist Hilde in Steingaden, ganz in der Nähe von Deutschlands schönster Kirche, der Wieskirche mit ihren herrlichen Votivplaketten. Wie oft habe ich diese Kirche schon besucht! Am Seitenaltar hängen all diese Votivschilder aus Silber, mit denen die Bauern sich bedanken, wenn ihren Tieren geholfen wurde. Auch unserer Lori wird nun geholfen. Wir besprechen uns mit dem Besitzer von Hilde, Herrn Komboski, und dürfen uns ohne wenn und aber auf den Weg machen. Hin und zurück jeweils vier Stunden, das wäre für Lori eine Tortur geworden und so willigt Herr Komboski ein, dass seine Stute nach Gut Aiderbichl kommen darf. Hilde ist noch etwas verwirrt und weiß nicht so recht, was sie von der Aktion halten soll. Sie weiß nur, dass sie ihr Fohlen verloren hat und nun in einen fremden Hänger verladen wird. Doch sie stammt aus einer guten Haltung und vertraut ihrem Besitzer. Herr Komboski redet Hilde liebevoll zu, während sie in den Hänger steigt und kurz darauf beginnt ihre Reise in ein neues Leben. Auf Gut Aiderbichl wartet Anita Körner mit gemischten Gefühlen auf Hildes Ankunft. Pflegekind Lori hat sie restlos betört und um den Finger gewickelt. Anita reagiert mit heftigen Muttergefühlen. Werden die beiden demnächst weniger Zeit miteinander verbringen? Wird Hilde bald ihren Platz einnehmen? Doch als Pferdefreundin siegt die Vernunft. Anita bleibt tapfer, wünscht sie doch ihrem Kleinen eine sorglose Kindheit. Sie weiß genau, was so ein Neuling auf der Welt alles lernen muß: Das Gespür für eine Rangordnung zwischen den Pferden, den Schutz einer starken Mutter und später Koppelgang mit Artgenossen – und nicht zuletzt Stutenmilch. Einige Flausen hat Lori sich schon in den Kopf gesetzt. Wenn Anita beim Spaziergang mit Lori durch die große Stallgasse bei den großen Pferden haltmacht, dann schreckt das Kleine auch vor niedlichen Unverschämtheiten nicht zurück. Keck das Mäulchen vorgestreckt und ehe das Pferd sich versieht, beißt Lori herzhaft in die Nase der Großen. Unterwerfungsgesten hatte ihr jedenfalls noch niemand beigebracht. Der kleine Nasenbeißer fühlt sich sicher unter dem Schutz von Anita, und die gilt unter den Pferden als ‚Big Boss’. Was für Streiche sich Lori noch ausdenken würde ohne eine kleine Portion Erziehung? Während Hilde unterwegs ist nach Gut Aiderbichl, wagt Lori die ersten staksigen Schritte auf der Koppel: Ein Wirbelwind, der nach allen Regeln der Kunst seinen Körper und das Toben ausprobiert! Ganz entzückt will ich mich selbst Lori nähern und sie streicheln. Erfolglos, denn Lori steht der Sinn nach etwas ganz anderem. Sie dreht sich kurzerhand um und schlägt nach mir aus. Ich warte auf bessere Laune und wage einen zweiten Versuch. Als Dank zieht sie mir den Anorak aus. Von Respekt keine Spur! Hoffentlich wird mit Hilde, der Oberammergauer Amme, alles besser – in wenigen Momenten wird der Anhänger auf den Hof fahren. Es ist gutes Wetter und ein großer Rest der 1600 Besucher hält den Atem an. Ein Reiseführer bittet die Zuschauer um Stoßgebete – allzuviel hängt vom Gelingen dieser Zusammenführung ab, nicht nur der Zustand meines Anoraks. Die Hängerklappe wird geöffnet. Ein Raunen geht durch die Besuchergruppen. Brav geht Hilde rückwärts die Rampe herunter und läßt sich bewundern: Eine prachtvolle süddeutsche Kaltblutstute. Hunderte von Menschen sind wie gebannt. Wird Hilde Lori als ihr eigenes Kind annehmen? Wird Lori überhaupt auf ihre neue Mutter reagieren? Und wie wird sich Anita fühlen, wenn sie die Mutterolle abtreten muss? Morgen erfahren sie, ob die Geschichte ein gutes Ende nimmt......
| |
|