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Helmut Schödel
Reflektionen Schimpansenausstellung

Hier sehen Sie ein paar Reaktionen auf die Schimpansenausstellung von DJ Ötzi,  Rosemarie Fendl, Susanne von Borsody, Sarah Stephanie und Dip. Ing ETH Fritz Hatschek.

 
Am Abend vor der Ausstellung

Als ich am Abend, bevor die Schimpansen-Ausstellung eröffnet werden sollte, auf das Gut kam, musste ich glauben, mich im Termin geirrt zu haben. Solche Ausstellungen zeichnen sich doch dadurch aus, dass Bilder oder Fotos und Informationstafeln hängen und nicht nur Wände und Durchgänge aufgebaut sind, die das Gelände, in diesem Fall vom Rest der Halle, abtrennen. Hier wurde eher ein hart arbeitendes Team mit Bohrern, Leitern und Pinseln ausgestellt. Ich dachte, wüssten die Schimpansen von Gänserndorf, Anlass der Ausstellung, von der Lage, sie gerieten in genau jenen Zustand, den man bei geschundenen Labortieren zu vermeiden versucht: große Unruhe.

Aber davon war hier keine Rede. Auf Aiderbichl ist man gewöhnt, das Unmögliche möglich zu machen.

 

Am nächsten Tag um zwölf Uhr mittags, Stunde der Eröffnung, war alles wie von Geisterhand plötzlich da. Dieter Ehrengruber sagte: „Noch drei Minuten, das letzte Bild hängt noch nicht.“ Dann betrat man einen dramaturgisch klug durchdachten Weg in Information und Erfahrung. Der Stand des Wissens entspricht den selbsterworbenen Kenntnissen des Gutes, man wollte zu Recht keine komplizierte Ausstellung von Primatologen. Der Besucher wird über die Schritte der Evolution informiert, nimmt dann in einem Kino mit 50 Plätzen auf originalen Filmtheater-Stühlen Platz, sieht einen bewegenden Film von Susanne D`Alquen, und wenn die Leinwand nach oben fährt, schaut er auf die Käfige, in denen die Labor-Schimpansen auf 5 Quadratmetern mit Gitterböden oft 20 Jahre dahinvegetierten, um anschliessend mit ihren Gesichtern und Blicken auf Fotos konfrontiert zu werden: Verwandte schauen uns an. Sie fragen „Warum?“ Horrorbilder hat man sich erspart. Denn die Käfige sagen alles.

 

Zur Eröffnung wurden rund 300 Gäste erwartet, es kamen rund 800. Fotografen und Kamerateams stürzten sich auf die beiden Ehrengäste, die Schauspielerinnen Rosemarie Fendel und Susanne von Borsody (siehe Interview), zwei Künstlerinnen, die sich schon ein Leben lang mit Tieren beschäftigen. Es waren Ernst Th. Henne, Traudi Kustermann und Adi Frieser sowie Hera Lind gekommen. Dem Ernst des Themas angemessen, vermied man den großen Promi-Event. Es geht darum, die Aiderbichler über Wissen und Argumente zusammenzuschweißen. Ein starker Stamm, willens, den Fehlentwicklungen zu trotzen. Ich sehe diese Anstrengung als begleitender Beobachter mit wachsender Begeisterung. Ein Premium-Modell für verantwortliches Handeln in obendrein schwierigen Zeiten. Ein Projekt für Bürger, die sich aufmachen, das Schweigen zu verlernen.

 

Interview mit Rosemarie Fendel und Susanne von Borsody

Zur Eröffnung der Schimpansenausstellung besuchten Rosemarie Fendel und ihre Tochter Susanne von Borsody Gut Aiderbichl. Zwei deutsche Ausnahme-Schauspielerinnen, die sich seit je mit Tieren beschäftigen. Die Tiere und die Sorge um sie gehören zu ihrem Leben. Helmut Schödel traf sie auf Gut Aiderbichl und sprach mit ihnen.

 

Haben Sie denn selber Tiere?

 

Fendel, die wegen der Blödheit der Frage abwinkt: Meine Mutter war doch schon der Höhepunkt. Als Susanne klein war und ich ihr das Fläschchen gemacht habe, weil ich nicht stillen konnte, habe ich den Nuckel in kaltes Wasser getaucht und auf die Flasche gesteckt. Meine Mutter hat den Nuckel in kochendes Wasser geworfen, „damit die Bakterien nicht so lange leiden müssen“. Wir haben Katzen gehabt, Hunde…

 

von Borsody: Und Goldfische, die ich im Wassereimer zum Tierarzt fahren musste.

 

Fendel: Vor dem Haus, in dem wir wohnten, im vierten Stock, standen Kastanien. Wenn ein Vögelchen aus dem Nest gefallen war, sagten die Leute: Brings zur Frau Fendel! Mein Protest gegen die schrecklichen japanischen Delphinfänge hat übrigens viel bewirkt, sagt man mir. Ich glaubs mal gern. Ich habe mich einfach hingesetzt und Briefe an Botschafter geschrieben. Man muss was machen.

 

Sie haben im Zirkus „Krone“ in München dressierte Tiere vorgeführt, Frau von Borsody?

 

von Borsody: Dressierte Seelöwen und fünf Jahre später zwei Elefanten. Die Tierschützer riefen:

“Schafft den Zirkus ab!“ Ich habe gesagt, dass sie sich es  doch erstmal anschauen sollen, wie sie gehalten werden, nämlich gut. Vor allem sind sie ja nicht mehr auszuwildern. Man müsste sie ja einschläfern. Dasselbe gilt für die Delphine. Es geht darum, keine neuen Delphinarien zu bauen und die Sache auslaufen zu lassen.

 

Sind Sie immer noch Hundehalterin, Frau Fendel?

 

Fendel: Ich habe jetzt einen Caine Terrier, ein Vorschlag von Christine Kaufmann, ich solle mir jetzt einen kleineren Hund halten. Ich schaute mir dann ein Bild an und dachte: Schön, das ist ein Hund, der mich zum Lachen bringt. Avanti ist jetzt sieben Jahre alt. Ich hatte zuvor einen belgischen Schäferhund, Xaron, der dem Züchter zurückgegeben wurde, weil er eine Fehlfarbe war (verdreht die Augen), er starb mit vierzehneinhalb Jahren.

 

Ein schönes Alter für einen großen reinrassigen Hund.

 

von Borsody: Er wurde auch gut gepflegt. Wurde sogar zur Akupunktur gebracht.

 

Fendel: Ich habe ein Jahr lang um ihn getrauert. Ich würde übrigens sagen: Was uns fehlt, ist Empathie.

 

Mitfühlende Teilnahme.

 

Fendel: Wissen Sie nicht, was Empathie ist? Wenn dir jemand ein Messer in den Rücken hält, und du sagst, was für ein armer Mensch, wie mags dem wohl gehen, dass er so was macht. Das ist Empathie. Übrigens bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil ich keiner Institution angehören möchte, die Tieren eine Seele abspricht.

 

Mir fiel auf, dass Sie bei der Vorführung des Films über das Leid der Laboraffen im Ausstellungskino Ihre Tränen nicht unterdrücken konnten.

 

Fendel: Das kann man sagen. Aber es geht natürlich nicht nur um Mitleid, sonder darum zu handeln, was zu tun.

 

Wenn ich Sie im Theater oder in Filmen gesehen habe, fragte ich mich immer, wie man aus soviel Melancholie soviel Kraft schöpfen kann.

 

Fendel: Man darf in der Melancholie einfach den Humor nicht verlieren.

 

Drei junge Aiderbichler helfen

Drei junge Leute aus Rheine im Münsterland haben eine Woche ihrer Freizeit auf Gut Aiderbichl bei Salzburg verbracht. Aber nicht einfach, um sich die geretteten Tiere anzuschauen oder die traumhafte Umgebung. Sie waren gekommen, um den ganzen Tag ehrenamtlich für Aiderbichl zu arbeiten, im Stall, in der Küche, für den Ostermarkt, weil sie die Philosophie des Gutes überzeugt hat und sie der Meinung sind, dass die Menschen den Tieren, von denen sie soviel bekommen, etwas zurückgeben müssen.

 

Jessica Köning und Petra Venker arbeiten zu Hause als Bankangestellte und Sekretärin, Marc Lindenbaum als orthopädischer Schuhmacher, unterstützen das örtliche Tierheim und gehen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, wenn Tiere schlecht behandelt werden, Vorarbeiten für das Kreisveterinäramt.

 

Von Aiderbichl hatten sie aus der Zeitung erfahren, sich bei einem Kurzbesuch informiert und sind jetzt wiedergekommen. Marc Lindenbaum erzählt von einer Reise durch europäische Hauptstädte:

Er habe die Aiderbichl-Jacke getragen, sei immer wieder gefragt worden, worum es sich da handle, und stets auf Interesse gestossen. Sie verteilen auch das Magazin gezielt an Leute, die sie kennen. Es ist das schöne Ergebnis ihrer Erfahrung, dass man mit persönlichen Empfehlungen und Berichten viel bewirken kann. „Mehr als durch teure Anzeigen, die ins Ungewisse zielen“, sagen sie.

 

Ihre praktischen Erfahrungen stimmen mit den Aiderbichler Gewissheiten überein. Auch kein Wellensittich oder Kanarienvogel sei wie der andere: „Jeder hat andere Augen, verhält sich anders. Aber alle sind gleich viel wert.“

 

Die drei waren über das „freundliche und offene Team“ auf dem Gut sehr glücklich. Und Aiderbichl mit ihnen. Drei großartige Aiderbichler aus Rheine, deren Einsatz uns große Hoffnung macht. Junge Leute, die sagen: „Es gibt viel zu tun. Also packen wir´s an.“ Menschen wie sie sind das Gut.

 

   
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