Für die Aiderbichler und die Leser unserer Homepage handelt es sich im Folgenden, sozusagen, um eine Fortsetzung. Sommerheft 2009, Seite 36 – 38. Nachzulesen, wenn Sie kein Heft in Händen halten, auch auf der Startseite rechts.
Daisy und Kiara haben eine große Hürde genommen!
Es ist wie bei uns Menschen. So sehr wir uns auch anstrengen, gefühltes Leid und Sorgen zu verstecken - unsere Augen können sensiblen Menschen nichts verbergen. Sehen Sie sich die beiden Ex-Laborhündinnen Daisy und Kiara an. Sie wirken nachdenklich, man möchte beinahe sagen, flehend.
Daisy Kiara
Beide sind neun Jahre alt und haben dem Menschen ein ganz großes Opfer gebracht. An ihnen wurden Versuche der Humanmedizin gemacht.
Die Menschen, die sie dort betreuten, haben ihnen Namen gegeben. Und ihre Haltung war den Verhältnissen entsprechend gut. Die Pflegerinnen, Pfleger und Ärzte rufen uns regelmäßig an und fragen nach, wie es den bereits vermittelten Ex-Laborhunden geht.
Was man ihnen dort nicht wirklich geben konnte, war das individuelle Verhältnis. Gemeint sind die schönen Stunden miteinander, wenn Hunde ihren Frauchen und Herrchen zu Füßen liegen oder neben ihnen auf der Couch Platz nehmen. Und weil Hunde nicht sprechen können, kommuniziert der Mensch und sein geliebter Vierbeiner über den Atem, die Gestik, die Berührung und den Augenkontakt. Was fehlt dir denn? Was kann ich für dich tun oder worüber würdest du dich freuen? Wechselseitiges Verständnis und liebevolle Wahrnehmung. So ist das nun mal in einer Bindung mit einem Lebewesen, das nicht sprechen kann.
Kiara und Daisy wurden vom Schicksal besonders hart getroffen. Kurz vor ihrer Entlassung aus dem Versuch bei der Schlussuntersuchung diagnostizierte die Tierärztin: Krebs. Zu diesem Zeitpunkt standen die beiden bereits unter dem Schutz von Gut Aiderbichl. Aber kann eine Operation noch helfen? Hat der Krebs gestreut?
Wir meldeten sie sofort an oberster Stelle in der Tierklinik an. Gleich am nächsten Tag wurden Kiara und Daisy operiert. Während wir unsere Büroarbeit erledigten und auf die Ergebnisse warteten, sprachen wir viel über die Beiden. Was ist gerecht auf dieser Welt? Warum sollte gerade diesen beiden Hündinnen, die neun Jahre ihres Lebens im Tierversuch verbracht haben, die letzte Lebensphase, die ihnen eine nie gekannte Freiheit bringen sollte, genommen werden. Ihr Schicksal und Ihre traurigen Augen gingen uns nicht mehr aus dem Kopf. Dann kam die erlösende Antwort. Die Tumore konnten entfernt werden. Es gab keine Metastasen.
Jetzt, nach einer Woche, wurden die Fäden gezogen. Und gestern, am Mittwoch, dem 05. August 2009, holten wir sie zu uns auf Gut Aiderbichl Deggendorf. Dort haben sie unser schönstes Zimmer bekommen. Zum ersten Mal in ihrem Leben dürfen sie sich frei in der Natur bewegen. Für sie ist alles neu auf dieser wunderschönen Erde. Sonne, Wiesen, markierte Alleebäume oder ganz einfach, sich auf großen Flächen auszutoben. Sie haben vieles nachzuholen. Die liebevolle Zuwendung unserer Pfleger ist ihnen gewiss.
Schon jetzt freuen wir uns darauf, dass Sie, wenn Sie uns in Deggendorf besuchen kommen, ihr Glück mit ihnen teilen können. Natürlich sind sie noch nicht ununterbrochen im Hof. Sie brauchen noch viel Ruhe. Wir haben in ihre Zimmertüre eine kleine Glasscheibe eingebaut. Auch wenn sie schlafen, merkt man ihnen an, wie entspannt und glücklich sie sind.
Das große Glück für
den kleinen Karlo!
Aiderbichl-Mitarbeiterin Manuela stellt dem kleinen Karlo sein neues Zuhause und seine Mitbewohner vor.
Karlo ist erst eineinhalb Jahre alt und Versuchsbeagle. Die
ihm zugefügten Bestrahlungen haben seine Bauchspeicheldrüse angegriffen. Er wird sein Leben lang Medikamente nehmen
müssen, die ihm bei der Verdauung helfen. Regelmäßige Tierarztbesuche wird
er bis an sein Lebensende machen müssen. Ein Handicap, das ihn unvermittelbar
machen wird – dachten wir. Aber wir haben die Rechnung ohne die Aiderbichler
gemacht. Als wir den, in die Freiheit entlassenen kleinen Rüden einer
Aiderbichlerin anboten, sagte sie wie selbstverständlich: „Das hört sich nach
dem Hund an, dem wir gerne helfen möchten“. Erwähnt sei, dass das Ehepaar bereits
einem anderen Ex-Laborbeagle seit Jahren ein wunderschönes Zuhause gibt.
Liebe Leserinnen und Leser, halten wir für einen Moment inne.
Lassen Sie uns kurz dieses Glück genießen. In unserer Welt, in der sich immer
mehr Menschen dazu aufgerufen fühlen, nur an sich und ihr unmittelbares Umfeld
zu denken, erfährt der kleine Karlo gelebte Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Das ist wunderbar, macht unsere Anstrengungen sinnvoll
und zigtausende Aiderbichler und Karlo überglücklich.
Kurz nach seiner Ankunft in seiner neuen Familie, zeigt er
auch schon, wie intelligent er ist. Vorwitzig schaut er sich auf allen Etagen
seines neuen Zuhauses um. Gerade eben hat er erst das Treppengehen gelernt. Die
Wahl eines Platzes, wo er am liebsten schlafen möchte, war schnell getroffen,
nämlich auf dem Kissen seiner neuen „Hundemama“. Ganzschön dreist, werden
manche denken. Aber so ist es nicht. Ungleich Hunden, die im lernfähigen
Welpenalter aufgenommen werden, handelt der eineinhalb jährige Rüde anders. Durch
die Einschränkungen in seinem Vorleben kann man seine Deutungen vergleichen, mit
einem Menschen, der das erste Mal seinen Einsiedlerhof verlässt und sich in
einer Großstadt wiederfindet. Ihm fehlt, vorerst, die Bodenhaftung. Deshalb
macht er das einzig Richtige – Er schließt sich seiner auserwählten Mentorin an
und will ihr ganz nahe sein. Seine neue Beschützerin hat gar nichts dagegen. Karlo
wird bald lernen, dass er sich auf sie verlassen kann. Mit zunehmender
Selbstsicherheit wird er sich dann höchstwahrscheinlich einen anderen Schlafplatz
aussuchen. Sich auf den Rücken legen, als Zeichen des Vertrauens, das er jetzt
endgültig in die Menschen haben kann. Und noch etwas, er wird im Schlaf, seine
dünnen Beinchen bewegen, wenn er träumt. Auch das wird er jetzt können. Denn was
er jetzt am Tag erlebt, ist jenseits von einem monotonen Zwinger und bietet
genügend Stoff zum träumen.
Wir vermitteln keine Pferde, Ziegen, Rinder, Schweine, etc.
Bei Hunden und Katzen machen wir Ausnahmen. Wer glaubt, diesen beiden Hündinnen oder einem anderen Hund aus dem Versuchslabor ein exzellentes Zuhause bieten zu können, möchte sich doch bitte bei uns melden. Wahrlich eine große Herausforderung! Weil die Chancen einer Vermittlung sehr gering sind, bitten wir Sie, eine Patenschaft ab € 10,00.- für Kiara und Daisy abzuschließen. Ihr Beitrag kommt unserem Projekt „Beagle aus der Forschung“ zugute. Stellen Sie sich einfach vor, es hätte die Drei niemand aufnehmen können.