Es war
einstens der Schöpfer, der sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Damals
wurde allerdings nicht die Glühbirne erfunden, sondern Helligkeit kam ins
Dunkel der Welt wie eine Verheißung, wie ein Versprechen, wie eine Ankündigung
vom Ende der Nacht. Es wurde Tag, der von nun an auf die Nacht folgte.
Wenn ich
heute durch unsere Städte gehe, egal ob große oder kleine, finde ich sie auch
nachts hell erleuchtet. Das hat mit Helligkeit direkt nichts zu tun, das ist
elektrisches Licht in ladenschutzgesetzfreien Tankstellenkaufhäusern und
Drive-Ins.
In den gläsernen Möbelzentren leuchten hell die Schaufenster, als ob sich
jemand früh um drei seine neue Einbauküche aussuchen würde. Und zuhause in den
Wohnzimmern funzeln die Energiesparlampen vor sich hin, weil ja, wenn wir so
weiterprassen, irgendwann das Licht ausgehen würde.
Dies hier
ist kein Plädoyer für neue Sperrzeiten oder das Hochklappen der Gehsteige nach
20 Uhr, ich war selber die längste Zeit meines Lebens ein Nachtschwärmer,
schließlich ist der Mensch in der Nacht nicht gern alleine, aber was man dann
sucht, sind doch nicht strahlende Schaufenster, sondern lustige Gesellschaft.
Während einer Fahrt von München nach Deggendorf, es war schon nach Mitternacht,
fuhr ich am hell erleuchteten, riesigen Parkplatz beim Strauß-Flughafen vorbei.
Nicht einmal 10% der Parkfläche war benützt, und dann lese ich Tags drauf in
einer Tageszeitung unter dem Motto „Jeder kann das Klima schützen – 27 heiße
Tipps“: Kerzenlicht bevorzugen, Licht ausschalten nicht vergessen, Thermostat
zurückdrehen… Aber wer in München etwa am hell erleuchteten Mittleren Ring
wohnt, müsste sich eher Lichtschutzvorhänge kaufen, vom zusätzlichen Gebrauch
von Kerzen wäre dringend abzuraten.
In
Unwetterzeiten wie den unseren kommt es immer häufiger zu Stromausfällen, die
Spuren hinterlassen. Als vor einem Jahr in einem Dorf in Nordrhein-Westfahlen
72 Stunden lang der Strom ausfiel, stieg die Geburtenrate dramatisch an. Da
freut sich der demographische Faktor, als wäre der Wettlauf mit den Chinesen
noch zu gewinnen. Die Weltbevölkerung soll sich ja bis 2050 verdoppeln, auf
neun Milliarden, was auf die Rentensicherheit in Deutschland natürlich keinen
Einfluss hat. Man bräuchte vielmehr zwei weitere Planeten, um über genügend
Rohstoffe zu verfügen, die dann benötigt werden. Da sollten wir uns durchaus
mal eine Kerze anzünden, um darüber nachzudenken. Da kann Kanzlerin Merkel
ruhig mit Präsident Putin Öl- und Gaslieferungsverträge abschließen. Das sind
die Peanuts-Lösungen. Erdnüsse, die in der drohenden Nacht verschwinden werden.
Wann immer
ich unsere aktuellen politischen Debatten verfolge, quer durch unsere
Fernsehprogramme zappend, bekomme ich so ein Nachtgefühl, als würde sich
dadurch alles verdunkeln anstatt zu erhellen. Dann denke ich immer an Goethes
letzte Worte: „Mehr Licht!“
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